Andrea Blumör, Jörn Budesheim, Margrit Gehrhus, „Alle Farben malen Schwarz“, 02. -19. 09. 2021

Alle Farben malen Schwarz

Eröffnung Do, 02. September 2021, 17 Uhr
Einführung Kurationskonzept Vládmir Combre de Sena
Ausstellungsdauer Do, 02. — So, 19. September 2021
Öffnungszeiten Fr/Sa/So jeweils 16 — 19 Uhr


Geänderte Öffnungszeiten zu den Museumstagen 02. — 05. September 2021
Do, 02. September, 15 — 20 Uhr
Fr/Sa 03./04. September, 15 — 22 Uhr
So, 05. September, 11 — 15 Uhr


Die Ausstellung »Alle Farben malen Schwarz« ist das Ergebnis eines Kooperationsprojekts der Produzentengalerie kunstbalkon Kassel und dem Kunstverein EULENGASSE, Frankfurt. Ende 2020 wurde die Ausstellung in Frankfurt gezeigt; zur Museumswoche KW35 wird sie nun in Kassel zu sehen sein. „Mischt man Cyan, Magenta und Gelb in voller Intensität und in gleichen Anteilen zusammen, dann erhält man Schwarz, d.h., es wird kein Licht mehr reflektiert“, weiß das Internet. Das mag für manche die erste Assoziation sein, wenn sie den Titel lesen. Die drei Künstler:innen interpretieren den Titel jeweils auf ihre eigene Art und Weise und werden ihm dabei auf unerwartete Weise gerecht.

Andrea Blumör zeigt in Öl gemalte Porträts von Frauen des 18. Jahrhunderts, deren Lebensgeschichten trotz ungewöhnlicher Leistungen und Verdienste so gut wie unbekannt geblieben sind.

Jörn Budesheim präsentiert kleinformatige Zeichnungen, die das Themenfeld poetisch durchqueren. Dafür hat Vládmir Combre de Sena den schönen Titel „Denken-Zeichnungen“ geprägt.

Margrit Gehrhus recherchiert und sammelt international im Handel erhältliche Farbmixturen, die als Haut- oder Fleischfarbe gekennzeichnet sind. So dokumentiert sie und macht sichtbar, wie Vorstellungen von Hauttönen „konstruiert“ und fixiert werden.

Christoph Schütte, schrieb in der FAZ zu der Ausstellung:

„Wenn man es nicht besser wüsste, man müsste es für blanken Sarkasmus halten. Dabei darf man „Alle Farben malen Schwarz“, so der Titel der kleinen, präzise kuratierten Schau […] durchaus ein Statement nennen. Ein Beitrag zu aktuellen Themen, aus verschiedenen Perspektiven verhandelt auf dem Feld der Kunst. Nur dass sich der Betrachter angesichts der Arbeiten von Andrea Blumör, Jörn Budesheim und Margrit Gehrhus nie bevormundet fühlt, nie auf der richtigen oder der falschen Seite stehend, sondern als Teil eines komplexen, mitunter widersprüchlichen Diskurses, der von postkolonialistischen Problemfeldern über das Skandalon des Rassismus bis zu Genderfragen reicht.“


Buchpräsentation Margrit Gehrhus, Hautfarben/Fleischfarben 2001 – 2021

In dieser Ausstellung wird auch ein Katalog von Margrit Gehrhus vorgestellt und präsentiert: Dank der Förderung der Hessischen Kulturstiftung konnte sie jetzt ihrem Werkzyklus Hautfarben/Fleischfarben 2001 – 2021 einen kleinen Katalog (16,5 x 22,5 cm) widmen. Auf über 60 Seiten wird die Arbeit an dem Thema nachgezeichnet und dokumentiert.

Seit 2001 sammelt Margrit Gehrhus sog. „Haut- und Fleischfarben“, also industriell gefertigte synthetische Malfarben. Angefangen hat es mit „Fleischfarbe von Pelikan, Nr. 41“ aus dem Schulmalkasten. Fast alle Hersteller von Farben haben entsprechendes im Angebot. Die Namen der Farben variieren, neben der besagten Fleischfarbe von Pelikan findet man: Fleisch, Fleischton, Fleischocker, Fleischorange, Haut, Hautton, Hautfarbe(n), Babyhaut, Porträtrosa etc. Welche Hautfarben findet man? Die Palette hält weltweit im Wesentlichen eine große Bandbreite von weiß-blassen, hellen bis mittleren Nuancen von Gelb, Orange und Rot bis ins Violette bereit. Haut ist dem Stereotyp nach also hell. Ausnahmen, wie z.B. „dark flesh“ von einem australischen Hersteller fanden sich (bisher) eher selten.

Innenseite - Katalog von Margrit Gehrhus
Innenseite – Katalog von Margrit Gehrhus

Diese „Entdeckung“ – wie sie es selbst nennt – hat sich zwanzig Jahre in Margrit Gehrhus Arbeit niedergeschlagen. Viele verschiedene Arbeiten und Werkkomplexe sind seither dazu entstanden: Mustertafeln, Booklets, Wandinstallationen und verschiedene malerische Serien.

Ergänzt werden die rund 50 Abbildungen von vier Texten, die sich dem Werk auf verschiedenen Wegen nähern. Harald Kimpel erläutert in dem Text „Soziale Haut“ inwiefern sich das Privateste in Margrits Arbeit als politisch entpuppt. Doris Krininger bringt in dem Text „Hautfarben“ das Thema mit dem Ausdruck „Instant-Inkarnat“ im Grunde auf den Punkt. Karina Chernenko skizziert in „Bis auf die Haut“ auf wenigen Seiten kenntnisreich die Bedeutung der (hellen) Haut für die europäische Kunst. Und Andreas Gebhardt widmet sich in „Zeugnisse tiefer Intimität“ Gehrhus‘ Konzeptarbeit „Kopie von einem Hautstück“ ausgehend von einer Beobachtung Paul Valérys.

Die Zeiten ändern sich manchmal: Das Thema hat – wie jeder weiß – mittlerweile weite Kreise gezogen, das Problembewusstsein ist gestiegen. Die Süddeutsche schreibt beispielsweise in einem Bericht über ein Berliner „Start-up“: „Die Ausgrenzung beginnt im Federmäppchen.“ Dieses Unternehmen produziert „Hautfarben-Buntstifte für alle“ und schreibt: „Unsere Hautfarben-Produkte unterstützen Eltern, Erzieher:innen und Pädagog:innen dabei, für mehr Repräsentation in der Erziehung zu sorgen und Stereotypen aufzubrechen.“

Hier kann man den Katalog online durchblättern > anyflip.com

Bildquellen

  • Innenseite – Katalog von Margrit Gehrhus: Foto @kunstbalkon
  • Alle Farben malen Schwarz: Vládmir Combre de Sena