Katalog von Margrit Gehrhus, Hautfarben/Fleischfarben 2001 – 2021

Katalog von Margrit Gehrhus

Seit 2001 sammelt Margrit Gehrhus sog. „Haut- und Fleischfarben“, also industriell gefertigte synthetische Malfarben. Angefangen hat es mit „Fleischfarbe von Pelikan, Nr. 41“ aus dem Schulmalkasten. Fast alle Hersteller von Farben haben entsprechendes im Angebot. Die Namen der Farben variieren, neben der besagten Fleischfarbe von Pelikan findet man: Fleisch, Fleischton, Fleischocker, Fleischorange, Haut, Hautton, Hautfarbe(n), Babyhaut, Porträtrosa etc. Welche Hautfarben findet man? Die Palette hält weltweit im Wesentlichen eine große Bandbreite von weiß-blassen, hellen bis mittleren Nuancen von Gelb, Orange und Rot bis ins Violette bereit. Haut ist dem Stereotyp nach also hell. Ausnahmen, wie z.B. „dark flesh“ von einem australischen Hersteller fanden sich (bisher) eher selten. 

Innenseite - Katalog von Margrit Gehrhus
Innenseite – Katalog von Margrit Gehrhus

Diese „Entdeckung“ – wie sie es selbst nennt – hat sich zwanzig Jahre in Margrit Gehrhus Arbeit niedergeschlagen. Viele verschiedene Arbeiten und Werkkomplexe sind seither dazu entstanden: Mustertafeln, Booklets, Wandinstallationen und verschiedene malerische Serien. 

Dank der Förderung der Hessischen Kulturstiftung konnte sie jetzt diesem Werkzyklus einen kleinen Katalog (16,5 x 22,5 cm) widmen. Auf über 60 Seiten wird die Arbeit an dem Thema nachgezeichnet und dokumentiert. 

Ergänzt werden die rund 50 Abbildungen von vier Texten, die sich dem Werk auf verschiedenen Wegen nähern. Harald Kimpel erläutert in dem Text „Soziale Haut“ inwiefern sich das Privateste in Margrits Arbeit als politisch entpuppt. Doris Krininger bringt in dem Text „Hautfarben“ das Thema mit dem Ausdruck „Instant-Inkarnat“ im Grunde auf den Punkt. Karina Chernenko skizziert in „Bis auf die Haut“ auf wenigen Seiten kenntnisreich die Bedeutung der (hellen) Haut für die europäische Kunst. Und Andreas Gebhardt widmet sich in „Zeugnisse tiefer Intimität“ Gehrhus‘ Konzeptarbeit „Kopie von einem Hautstück“ ausgehend von einer Beobachtung Paul Valérys.

Die Zeiten ändern sich manchmal: Das Thema hat – wie jeder weiß – mittlerweile weite Kreise gezogen, das Problembewusstsein ist gestiegen. Die Süddeutsche schreibt beispielsweise in einem Bericht über ein Berliner „Start-up“: „Die Ausgrenzung beginnt im Federmäppchen.“ Dieses Unternehmen produziert „Hautfarben-Buntstifte für alle“ und schreibt: „Unsere Hautfarben-Produkte unterstützen Eltern, Erzieher:innen und Pädagog:innen dabei, für mehr Repräsentation in der Erziehung zu sorgen und Stereotypen aufzubrechen.“ 

Einige der Arbeiten von Margrit Gehrhus aus dem Zyklus werden vom 1. -19. 09. 2021 in der Ausstellung „Alle Farben malen Schwarz“ im kunstbalkon zu sehen sein. 

Bildquellen

  • Innenseite – Katalog von Margrit Gehrhus: Foto @kunstbalkon
  • Katalog von Margrit Gehrhus: Foto @kunstbalkon